Schweigetag

Meine Tochter, 17, hat heute wohl wieder mal ihren Schweigetag. Diese Schweigetage hat sie häufig. Die Tage beginnen meist so gegen 11.00 Uhr (Aufstehzeit). Sie betritt unsere Küche, und wenn man dann den Moment erwischt und ganz genau hinhört kann man ein Geräusch wie "Morgschrmpf...?" erahnen. Das wars dann auch für den Tag. Es ist dann gut, wenn man als Mutter seine Erwartungen völlig Richtung Nullpunkt runterdreht. Ich gewinne dem Tag dann die guten Seiten ab und freue mich darüber, dass meine Tochter ja wenigsten noch unsere Küche für betretenswert findet. Um es klar zu sagen, ich bin keine pädagogisch wertvolle Mutter. Ich bin laut, hektisch, bestimmend, ungeduldig, oft müde, reizbar und manchmal kotzt mich der Haushalt einfach nur an. Aber ich bemühe mich jeden Tag, es besser hinzukriegen als am Tag zuvor. Aber meine Tochter ist echt ein schwerer Brocken für mich. Aber zurück zu Thema: Sie spricht nur, wenn oder wann sie möchte und nicht, weil ich sie etwas frage. Wenn sie also ihre Schweigetage hat und verfalle wieder in mein alter Muster zurück, dass ich doch irgendwas frage, könnte ich mich sofort dafür ohrfeigen. Es kommt ja doch keine Antwort. Naja, so ganz stimmt das nicht. Es kommt ein entnervtes Seufzen, oder es werden die Augen verdreht, oder es kommt ihre Standartantwort: "Weiß nicht!". Und dann bin ich irgendwie schon ein bisschen angenervt. Ich frage ja nicht, ob sie mir das letzte Experiment der Chemiestunde erklären will, sondern ich frage so Sachen wie: "Möchtest du noch frühstücken? In einer halben Stunde gibt es aber Mittagessen." oder " Willst Du Tee oder Kakao oder gar nichts?" oder "Wars schön gestern abend? Wer war denn alles dabei?" Also ich finde, dass sind Fragen, die man nur wirklich mal stellen kann, ohne dafür gleich unter die Rubrik "total nervige Mütter" zu fallen. Aber wahrscheinlich sehe nur ich das so. Meine Tochter empfindet das wohl als dreisten Eingriff in ihren privaten Schweigetag und antwortet dann sehr barsch:" Ahhh, Mama, echt...!, klappt unseren Laptop zu (der war irgendwie schon vor ihr auf dem Küchentisch), schnauft noch mal ziemlich laut und geht in ihr Zimmer. Wenn ich viel Glück habe kommt sie so ca. 2 Stunden später wieder raus, rauscht in die Küche oder das Wohnzimmer, wo ich halt gerade bin und faucht mich an: "Kannst Du mir vielleicht sagen, was reflexive Verben sind?" Könnte ich schon, habe ich jetzt aber grad überhaupt keine Lust dazu und antworte: "Weiß nicht." Meine Tochter schnauft erneut sehr laut, und geht auch sehr laut in ihr Zimmer zurück. Ich bin gewiss, jetzt ist wieder für eine ganze Weile Ruhe. Solche Schweigetage haben doch auch Vorteile, grad eben bemerke ich es. Kurz vor dem Abendessen taucht sie doch tatsächlich noch mal auf und murmelt: "Wann gibts Essen?"  Auch das gemeinsame Abendessen wird von ihr nur schweigend eingenommen. Auch die Fragen ihrer Brüder machen sie nur noch reizbarer und ihre Antwort lautet weiterhin: "weiß nicht" oder "Klappe". Mein Mann und ich werfen uns dann fragende Blicke zu. Sollen wir sie rügen, dass "Klappe" oder sogar "Fresse" an unserem Tisch nicht so erwünscht sind? Wir treffen schweigend die Übereinkunft: so nicht! Und ich mache natürlich mal wieder den Mund auf und sage laut zu ihr: "So nicht!. Daraufhin geht sie mal wieder laut in ihr Zimmer und ich sage mir, dass es irgendwann vielleicht auch mal wieder besser wird. Vielleicht.... irgendwann....!

23.9.12 13:14, kommentieren

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Durchschnittskinder

Hi,

heute morgen habe ich beschlossen, dass ich eine Selbsthilfegruppe gründen werde. Und zwar eine für "Eltern mit durchschnittlichen Kindern". Denn irgendwie brauche ich dringend Gleichgesinnte und Gleichfühler, sonst werde ich noch verrrückt. Denn manchmal habe ich das Gefühl, dass ich und mein Mann, also wir, die einzigen Eltern auf der Welt sind, die einfach nur ganz durchschnittliche Kinder haben. Um es mal zur verdeutlichen: wir (also mein Mann und ich) haben 3 Kinder. Die sind, wenn ich mich nicht täusche, 19, 17 und 9 Jahre alt und jetzt kommt es:  gaanz normal. Sie sehen normal aus, verhalten sich normal und bringen durchschnittliche Leistungen. In allen Bereichen. Das was sie tun, tun sie halt einfach "durchschnittlich". Und das ist mein Problem!!! Nicht, dass meine Kinder durchschnittlich sind, sondern dass, ich von Eltern umgeben bin, deren Kinder immer alles "super", "über", "herausragend",... usw. können. Diese anderen Kinder machen natürlich immer freiwillig Hausaufgaben, sind in der Musikschule die besten, spielen am besten Fußball, sind Einser-Schüler, können mit 6 schon irgendwelche Computerprogramme schreiben usw. usw. Das regt mich tierisch auf!!! Aber so richtig!!! Warum muss man sich immer messen??? Warum müssen die Kinder immer so toll sein? Und das Schlimmste kommt noch: Warum müssen es einem die anderen Eltern immer noch unter die Nase reiben??? Das sieht man doch selbst, dass das  andere Kind schneller rennt oder besser reitet oder rhythmischer tanzt. Dann muss man das doch nicht immer noch so durch die Blume gesagt bekommen. Ich hasse das!!! Und irgendwie kann ich solche Eltern einfach nicht leiden. Ich würde so gerne mal Eltern von "Durchschnittskindern" kennenlernen. Aber ich glaube, die gibt es nicht. Auf alle Fälle nicht bei uns in der Nähe. Auch wenn mal Eltern auf den ersten Blick ganz sympathisch wirken, spätestens im zweiten Satz ist es dann vorbei. "Tja, Malte ist ja jetzt im Leistungsturnen, dort ist er einer der jüngste!" Dann hab ich schon genug und möchte mich gar nicht mehr weiter unterhalten. Denn mein Kind ist 9 und kann, so glaube ich, den Purzelbau grade mal so. (Ich bin beim Sportunterricht nicht dabei und im Kinderturnen ist er nicht.) Also, liebe Eltern, falls Ihr auch nur Durchschnittskinder habt, dann meldet auch doch mal bei

22.9.12 13:54, kommentieren